Schutz von Mauerresten

Immer wieder begeistern wir uns mit den Vorstellungen, welche baulichen Teile unserer Festung wir rekonstruieren könnten. Ebenso oft bremst unsere Begeisterung der erforderliche Aufwand an Zeit und Mitwirkenden aber auch an Abstimmung mit dem Bezirksamt Spandau und der Senatsverwaltung für Umwelt von Berlin. Eine kleine Mannschaft von aktuell 56 Mitgliedern (Stand April 2019) kann nicht beliebig viel stemmen. Wir suchen daher mit unserer Arbeit und über unser Engagement weitere Unterstützer zu bekommen und vielleicht bewegt dieser Text Sie dazu.

Postkarte Kehlkaserne
Blick auf die Kehlkaserne um 1990 vom Standort am Haupttor

Als das Fort nach dem Mauerfall wieder zugänglich war, fand die kleine Schar an Begeisterten und Interessierten Menschen eine Unmenge an wild gewachsenen Bäumen und durch die Abrissarbeiten nach dem Krieg entstandenen Sand- und Schuttberge vor. Um überhaupt Zutritt zu bekommen, in heute fast selbstverständlich genutzt Bereiche, waren schon damals fast unendliche Arbeitseinsätze notwendig. Der Hohlweg zum Fort war für die Grenzanlage der Berliner Mauer komplett zugeschoben und im Fort solche Bauteile wie die linke Seitenpoterne und die Grundmauern des Blockhauses, der Grabenwehren und der Pferdeställe komplett verschüttet.

Ausgegraben wurde das Blockhaus, die Pferdeställe, die linke Schultergrabenwehr, die Spitzgrabenwehr, eine Splitterschutzzelle im linken Hof. Wir fanden den Fahnenmast am Zugang zum Kehlwaffenplatz, Reste der historischen Pflasterung wurden freigelegt. Das System der Regenentwässerung wurde Stück für Stück ausgegraben und die zugehörigen Revisionsschächte wieder aufgemauert. Ohne Unterstützung von Firmen wäre das allein durch die Mitglieder der Arbeits- und Schutzgemeinschaft nicht möglich gewesen. Gleichzeitig waren es eben immer wieder einzelne Mitglieder, die solche Arbeiten mit viel Zeit und Ehrgeiz vorantrieben und den restlichen Verein mitzogen.

Freilegung des Blockhauses
Freilegung der Fundamentreste des Blockhauses am Kehlwaffenplatz, Juli 1999

In den letzten Jahren scheinen die Rekonstruktionen, die wir angegangen sind kleiner geworden zu sein. Manchmal kommt es uns so vor, als schafften wir zu wenig. Wir müssen uns dann immer selbst vor Augen rufen, daß wir eine Grundstücksfläche von 12 Hektar, einen Zaun von rund 1,4 Kilometer und Wegelängen allein in den für Führung zugänglichen Gräben und auf dem Glacis von 1,3 Kilometer zu pflegen haben. Darin sind die Höfe und der Wallbereich um den linken Hof, die ebenfalls genutzt werden dürfen noch nicht eingerechnet. Und ebenso nicht aufgeführt ist der Umfang der zu erhaltenen denkmalwerten Gebäude.

Jüngst zum langen Osterwochenende 2019 haben sich Vereinsfreunde dem Schutz des freiliegenden Mauerwerks an der Spitzgrabenwehr zugewandt. Im März 2015 hatten wir bei der alljährlichen Frühjahrsbegehung den Vertretern des Bezirksamtes Spandau unseren Wunsch erläutert, die Mauerreste der Grabenwehren und des Blockhauses mit einer Opferschicht zu versehen. Einen kurzen Antrag hatten wir zur Vorbereitung im Dezember 2014 an das Bezirksamt Spandau übermittelt. Humus und Bewuchs sollten von den freiliegenden Mauern beräumt und lose Ziegel und Mörtelfugen abgenommen werden. Danach wollten wir die Ziegel mit einer Mörtelschicht versehen, die durch ihr Gefälle das Regenwasser ablaufen läßt und gleichzeitig das Durchwurzeln der Mauern verhindert. Die durchfeuchteten Wände ziehen unweigerlich Wurzeln der Bäume und Sträucher an, die mit bei zunehmender Dicke die Fugen aufsprengen. Während des Frostes wiederum steigt das Volumen des eingedrungenen, dann gefrierenden Regenwassers und sprengt nicht nur den Mörtel sondern selbst Mauerziegel. Notwendig ist diese Schutzschicht aus Mörtel, weil die freigelegten Grundmauern seit der Freilegung sichtbar zerfallen. Wir hatten sie freigelegt, um Ihnen, unseren Besuchern das Fort in seiner Gänze und Funktion zeigen zu können, also möchten wir auch mit überschaubaren Mitteln den Verfall stoppen. Schätzungsweise 230 Quadratmeter (horizontal gemessene) Fläche wären so zu bearbeiten.

Überwucherte Spitzgrabenwehr, 2013
Die zu- und überwachsenen Mauerreste der Spitzgrabenwehr, Juni 2013

Da das Fort Hahneberg nicht nur seit November 1991 ein eingetragenes Baudenkmal ist, sondern im Juli 2009 auch Teil eines Naturschutzgebietes wurde, sind bauliche Maßnahmen nicht ohne weiteres möglich. Die Verordnung zum Schutz der Landschaft des Hahneberges und Umgebung verbietet im § 6 nach § 67 des Bundesnaturschutzgesetzes »bauliche Anlagen zu errichten oder zu verändern«. Ein Antrag auf Baumaßnahmen am Denkmal muß von uns also nicht nur an den Eigentümer, den Fachbereich Grünflächen des Bezirkes Spandau, und an die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirkes sondern auch an die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz (ehemals für Senatsverwaltung für Stadtentwicklung) gerichtet werden. Durch die Ankündigung unseres Anliegens waren im März 2017 Vertreter aller Verwaltungen bei der Frühjahrsbegehung anwesend. Wir überarbeiteten nach dieser Abstimmung unseren Antrag und reichten ihn im April 2017 ein. Die Genehmigung des Denkmalschutzes lag uns im selben Monat, die des Naturschutzes durch die Landesverwaltung vier Monate später vor.

Aufbau eines Arbeitsgerüstes am linken Flankenblock der Spitzgrabenwehr, April 2017
Aufbau eines Arbeitsgerüstes am linken Flankenblock der Spitzgrabenwehr, April 2017

Auch die Vorbereitung für solche einfache Arbeit kostet Zeit. Vom Anschluß für Bauwasser aus dem rechten Hof mußte der Schlauch bis zur Spitzgrabenwehr verlängert werden. Das allein sind über 100 Meter Strecke. Auch für zukünftig anfallende Maurerarbeiten wurde ein Betonmischer angeschafft, finanziell unterstützte uns bei dieser Anschaffung Geld aus der bezirklichen Förderung ehrenamtlicher Arbeit. Und natürlich war auch der zu verarbeitende Mörtel zu beschaffen. Allein für die 19 Meter lange Fassade des linken Flankenblockes verarbeiteten wir 15 Säcke Mörtel. Das Aufbringen der Mörtelschicht erfolgte dann im Laufe dreier Tage, von Gründonnerstag bis Ostersonnabend. Zusammen sechs Vereinsmitglieder waren tätig. Damit ist der erste Schritt beim Schutz von freistehenden Mauern getan.

Opferschicht auf dem linken Flankenblock, April 2019
Opferschicht auf der Mauerkrone des linken Flankenblockes der Spitzgrabenwehr, April 2019

Im Zusammenhang eines Brandschutzkonzeptes für das Fort Hahneberg suchen wir auch nach der Möglichkeit, ausreichend Löschwasser vorrätig zu haben. Einen leistungsfähigen Wasseranschluß hat das Fort spätestens, nachdem es in das Hinterland der Berliner Mauer wechselte nicht mehr. Bei der Überlegung, wo wir ausreichend Wasser bevorraten können, kamen wir auf den ehemaligen Klärbrunnen. Seine Freilegung und Rekonstruktion ist das zweite aktuell laufende Vorgaben der Arbeits- und Schutzgemeinschaft Fort Hahneberg.